EINKAUFEN UND MÄRKTE IN GRIECHENLAND

Obst und Gemüse vom Mittelmeer auf einem griechischen Markt

Ob überdacht oder unter freiem Himmel, Griechenlands Märkte sind phänomenal

Der Blick geht zuerst zu Athens ältestem Markt. Vom Flußbett des Eridanus bis auf den Hügel Areopagus unterhalb der Akropolis erstreckt sich die Ruine von Agora, dessen Geschichte im 6. Jahrhundert n. Chr. begann. Früher füllte der Markt vier Hektar Fläche. Heute sind die Grenzen dank der vielen Umbauten und Baustellen kaum zu erkennen. Die Agora war kein gewöhnlicher Einkaufsbasar, sondern das Zentrum des öffentlichen Lebens, der wichtigste Treffpunkt für Bürger, um sich über politische und soziale Fragen auszutauschen. Heute hat der Markt nicht mehr dieselbe Funktion, aber übt immer noch eine besondere Faszination aus.

Die Markthalle in Athen
In Athen gewährt der zentrale, überdachte Varvakios-Markt auf der Athina-Straße, nur ein paar hundert Meter vom Omonia-Platz entfernt, schon seit 1886 Einlass. Es ist das Herz des Zentrums von früh bis spät: traditionelle griechische Produkte aus den verschiedensten Regionen ist hier erhältlich, Fleischer, Gemüsehändler, Fischhändler und Gewürzstände verkaufen ihre Produkte in Paletten oder abgepackt.

Der Tumult, mit dem die Händler ihre Waren feilbieten, ist ohrenbetäubend, aber ein spannendes Erlebnis allemal. In mancher Hinsicht hat sich seit den 1950er Jahren wenig verändert, man fühlt sich fast wie in einen nahöstlichen Souk-Markt. Die Auslagen der Stände sind ohne viel Schnickschnack arrangiert, die angebotene Ware spricht für sich selbst. Die Preise können unterschiedlich sein, aber das ist kein Ort zum Feilschen – die Händler lassen sich nur selten darauf ein und es gibt Stände für jedes Budget. In der Fülle des Angebots fällt die Wahl schwer: Es gibt Käse, Schinken und Gewürze, ein beeindruckendes Sortiment an Oliven, die in Salzlake liegen.

Einige Sorten sollten Besucher auf jeden Fall probieren: große Amfissa (von den ältesten Hainen Griechenlands), glänzend-schwarze, wie Tränen geformte Kalamata, saftige Chalkidiki, runzlig-weiche Thasos, grüne, mit Zitronenschale gewürzte Oliven aus Kreta. Jede Sorte hat ihren eigenen Geschmack, der ihre Herkunft widerspiegelt. Während der Fastenzeit passen die Händler ihre Waren dem Brauch an: Süßes Halva aus Sesam, Berge an Meeresfrüchten (besonders Tintenfisch), Krustentiere und Gemüse sind dann Verkaufsschlager.

In dieser Zeit fällt der Preis für Fleisch in die Tiefe. Tausende besuchen den Markt täglich und auch mehrere Tavernen sind die ganze Nacht geöffnet, um Hungrige mit einem warmen Platz und einem schmackhaften Gericht zu versorgen. Nach einer durchtanzten Nacht im Athener Nachtleben ist eine Schüssel Kuttelsuppe für manch einen genau das Richtige. Im Sommer sind auch ganzjährige Favoriten wie gefüllte Tomaten und Paprika oder moussaka, zubereitet mit den frischen Zutaten der benachbarten Stände, eine hervorragende Idee.


Markthalle  in Thessaloniki
Im Norden in Thessaloniki ist der überdachte Modiano-Markt eine der Hauptattraktionen der Stadt. Nach dem verheerenden Feuer 1917, als die Stadt sich langsam erholte und wiederaufbaute, konzentrierte sich der multikulterelle Handel im neuen, überdachten Markt. Nach französischem Vorbild ist die Arkade von Architekt Eli Modiano wie ein Kreuz geformt. Vom Aristoteles-Platz erstreckt sich der Markt bis in die Nebenstraßen. Seit 1922 sind hier über 150 Läden in Betrieb, die die unterschiedlichen Esskulturen der sehr verschiedenen Einwohner abbilden. Besonders jüdische Produkte sind hier präsent. Neben den Fleischern und Gemüsehändlern gibt es Bars und Restaurants, frische Eier, hausgemachte Würstchen und gepökelten Fisch, der am besten zum Mazedonischen raki passt.

Die Märkte von Griechenland
Natürlich gibt es in ganz Griechenland auch viele Märkte unter freiem Himmel. Die Wochenmärkte, wo meist die Bauern selbst ihre Erzeugnisse verkaufen, finden täglich in Stadtbezirken oder auf den Inseln statt. Es gibt auch separate Bio-Märkte, die eine wahrhaft sinnliche Erfahrung versprechen: Eine Explosion der Farben, die Aromen der Früchte und Gemüse, der Lärm der Händler, die ihre Waren anpreisen und die Holzbänke, auf denen die tägliche Ernte ausliegt.

Einheimische können am besten Auskunft über den nächsten Markt geben – meistens sind sie von 7 Uhr morgens bis 14 Uhr geöffnet. Früh am Morgen gibt es die beste Auswahl, aber je später es wird, desto mehr fallen die Preise, denn die Händler wollen ihre Stände leer bekommen. Mit allen fünf Sinnen durch den Markt schlendern, sich vom kulinarischen Instinkt leiten lassen und die besten, saisonalen Früchte und Gemüse finden – so lässt sich am besten ein kleines Picknick zusammenzustellen.